Dienstag, 2. Mai 2017

leslie feist

pleasure

Freitag, 28. April 2017


Schatzkammer

Das Herz
ist seiner Kammern beraubt
Vorratskammer
Schatzkammer
Das Herz
hat Stillstand geübt
hat deinen Namen gerufen
hat wieder zu schlagen begonnen
Sei Vorrat
Silber und Gold
früh morgens, spät abends
sei Himmelsleiter, Erdenleiter
Sei, wie es sei –
Licht, das durch die Wolken bricht

Elisabeth Borchers

Freitag, 31. März 2017


worthaut

Du regnetest. Ich kroch in ein altes Buch.
Der Scheibenwischer wehte davon. Die Welt
war immer der schwarze Quader
um mich aus Stimmen gepresst der Backstein.
Ich las ja nicht. In wurde gelesen. Du
rannst schön an mir herunter. Wir starben nicht.
Als ich mich in den Seiten löste
gab es dich wieder. Erinnerungen.
Mein Opa kannte Wörter wie Synthesis.
Es ist nicht wahr. Er drückte den Kinderkopf
mit Fingern die mit dem Wort Finger
ich zu bezeichnen von ihm gelernt hab.
Du regnet nicht mehr. Bö, ich verstecke mich.

Schlaf du mich, Boa. Schupp mir die Worthaut ab.
Es ist nichts drunter. Das Wort Wunde
schluckt das Wort Wunder. Da. Vogelscheisse.

Urs Allemann

Montag, 20. März 2017

glückwünsche

Dass du dir glückst.
Dass dir das glück anderer glücke.

Dass durch dich
Ein oder zwei menschen
Besser sich glücken.

Dass das glück dich nicht blende
Für das unglück anderer.

Dass du dir glückst.
Auch im unglück.

Dass eine welt werde,
wo zusammen mit dir
viele sich glücken können.

Kurt Marti

Donnerstag, 16. März 2017


atem märzwind

mit frühlingsanfang blühen
alte rechnungen in den büschen
die bäume schmücken sich
mit den bekannten vorwürfen
und der atem verfehlt den märzwind
eine e-mail trauert sich fort
kein koffer um darauf zu sitzen
vom gold des schweigens
ist die computertruhe leer
am nebentisch verwelken erste anzeigen
die müdigkeit hält mit dem parkläufer schritt
wer hört es im stimmengewirr der sprachlosen
am pult ist keiner zu sehen
nur sein erhobener zeigefinger

Frieder Schulter

Dienstag, 7. März 2017

stilles kind

draussen lärmt der wind
setzt auf dünnes Papier seine
dicke wand mit augen an

mein haus in dem 
ich lebe und arbeite: wofür
für später für den winter
wann das ist: gleich
ob es sich lohnt?
kann sein
wer weiss das schon

habe ein hufeisen gefunden
leg es aufs fensterbrett
lege mich unter daunen 
selbstvergessen ins bett
eins mit mir und allem nah
bin ich ein stilles kind
das wäre vorstellbar

Kerstin Preiwuss

Dienstag, 28. Februar 2017

agnes obel

fuel to fire

don't follow

Nach Null-Uhr
verlässt der Tag
sein Revier,
begibt sich
auf den Grat
zwischen Sein
und Hoffnung,
folge ihm nicht,
Sterbliche,
diese Fotos werden
von niemanden
entwickelt.

Michael J. Wewerka

Mittwoch, 22. Februar 2017

the wedding present

rachel

hallo hallo

Schale nur
von Windjahren
eine leergesogene Muschel
das Haus

an allen Wegen doch
die Wipfel vernistend
meine Traurigkeit
im Sand
im Blind
der einzigen Frage mit
ihrem – Herz, löchrig
wie ein starrer Schwamm –
antwortlosen
Schweigen

mein tiefes Auge
Melancholie
die kein Salz
in die Mundwinkel streut
Fluss ist
und uferlos

entzweiend

Hallo Hallo
wie diesen Morseruf
ich liebte der
verstummt ist

und ich

steh
vorm Mitnachtsfenster
ihr Kopf dahinter ein Schatten
in die Musik
geneigt
dem schmerzjungen Cis
gelingt es
durchs Glas
hinauszuschwimmen

ja was denn...
meine Traurigkeit ja
was...

Erich Arendt