Montag, 4. März 2013

für gestern

Ich danke dir, mein Herz,
dass du nicht säumst, dass du dich regst
ohne Entgelt und ohne Lob,
aus angeborenem Fleiss.


Siebzig Verdienste hast du in der Minute.

Jede deiner Muskelbewegungen
ist wie das Auslaufen des Bootes
aufs offene Meer
zur Fahrt um die Welt.


Ich danke dir, mein Herz,

dass du mich ab und zu
herausnimmst aus der Ganzheit,
einzeln selbst im Traum.


Du sorgst dafür, dass ich mich träumend

nicht ganz und gar verliere
in einem Flug,
der keine Flügel braucht.


Ich danke dir mein Herz,

dass ich wieder erwacht bin –
und obwohl es Sonntag ist,
ein Tag der Ruhe,
hält der rege Betrieb unter den Rippen an
wie sonst an den Wochentagen.

Wislawa Szymborska
(gefunden in: Liebesgedichte, Insel)