Montag, 18. März 2013

sonne verkauft




Es regnet voller Zuversicht
wohl schon den neunten Tag,
die Mittagszeit hat kein Gesicht,
nur noch den Stundenschlag.

Die Sonne hängt vielleicht verkauft
in einer anderen Welt,
wo sie sich wild die Strahlen rauft
und ihre Stirn zerschellt.

Die Teufelsschirme öffnen sich,
der Löwenzahn bleibt zu,
ein bisschen Gelb glänzt kümmerlich
im wilden Jungfernschuh.

Ich frag mein Herz, das Stundenglas,
wie lang die Welt noch steht,
es zittert wie ein Schmelchengras
und hat sich umgedreht.

Wer ist an diesem Unglück schuld?
Ich sag den Namen nicht.
Schon halb ertränkt, doch voll Geduld
blühn die Vergissmeinnicht.

Christine Lavant
(gefunden in: Die Bettlerschale, Otto Müller Verlag)